Rundschreiben der Österr. Apothekerkammer

Daten und Fakten zum Thema "Internetarzneimittel - Arzneimittelfälschungen"
  • FDA: Die US-Arzneimittelbehörde FDA schätzt, dass gefälschte Präparate etwa zehn Prozent des weltweiten Pharmamarktes ausmachen - damit betrage der Wert der kriminellen Verkäufe rund 26 Milliarden Euro im Jahr.
  • WHO: Nach einer Studie der WHO enthalten gerade einmal 7 Prozent der Fälschungen tatsächlich den richtigen Wirkstoff in der korrekten Dosierung. 17 Prozent enthalten zwar den richtigen Wirkstoff, allerdings viel zu wenig, um wirklich heilen zu können. 16 Prozent enthalten den falschen Wirkstoff oder sind sogar mit giftigen Substanzen verunreinigt. Und mehr als die Hälfte, nämlich 60 Prozent der gefälschten Medikamente sind komplett wirkungslos.
  • USA: Zunehmend werden Arzneimittelfälschungen in Europa und Nordamerika aufgrund des Angebots über das Internet entdeckt. So wurden zum Beispiel in den USA circa 1,5 Millionen Antibabypillen beschlagnahmt, die zu wenig Wirkstoff enthielten.
  • EU: 170 gefälschte Arzneimittel wurden innerhalb der letzten 5 Jahre in illegalen Vertriebskanälen in den EU-Mitgliedsstaaten entdeckt, bestätigt die Mitteilung der EU-Kommission. Arzneimittelfälschungen sehen wie das Originalprodukt aus, enthalten jedoch möglicherweise keinen Wirkstoff, zuviel Wirkstoff oder andere potenziell gefährliche Bestandteile. Die Herstellung erfolgt oft unter unhygienischen und unkontrollierten Produktionsbedingungen.
  • England: In britischen Fitness-Studios entdeckte man Anabolika zur Muskelbildung in nicht zugelassenen Injektionsformen.
  • Afrika: In den Entwicklungsländern gibt es mittlerweile mehr gefälschte als zugelassenen Medikamente.
  • Österreich: Erst jüngst deckte die österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit, kurz AGES PharmMed, einen besonders gefährlichen Fall von Arzneimittel-Fälschung in Österreich auf. Die AGES hat 17 verdächtige Proben von Viagra aus Internet-Apotheken aus Fernost, den USA und Europa untersucht. Das Ergebnis unserer Untersuchungen war  iederschmetternd: sämtliche Proben haben sich als Arzneimittelfälschungen entpuppt. So fehlten bei allen Proben die Gebrauchsinformationen bzw. waren völlig unzureichend. Bei manchen Proben war der Wirkstoffgehalt zu niedrig, bei anderen der Gehalt an Verunreinigungen extrem hoch. Besonders gefährlich waren Proben, die nicht deklarierte Wirkstoffe enthielten.
Und das sind Risken:
  • Der Kunde weiß in der Regel nicht, woher das Medikament kommt oder wie es produziert wurde. Er weiß nicht, ob in der Packung auch die entsprechenden Tabletten sind, und riskiert durch die Einnahme von Medikamenten, die per Postversand oft ohne Herkunftsbezeichnung und Beipacktext zugestellt werden, seine Gesundheit.
  • Nicht selten werden Medikamente in einem Briefkuvert zugestellt, lose oder in kleinen Klarsichtbeuteln verpackt. Beipacktexte - sofern überhaupt mitgeliefert – sind häufig unvollständig, oft selbst zusammengestellt und kopiert oder in einer Fremdsprache verfasst.
  • Temperaturschwankungen können die Wirkung der Arzneimittel stark beeinträchtigen. Niemand weiß, welchen Einwirkungen eine Tablette ausgesetzt war, die in einem zusammengedrückten Kuvert auf einer einmonatigen Reise von einer karibischen Insel an eine österreichische Adresse zugestellt wird. Hitze, Feuchtigkeit, Licht und auch mechanisch einwirkende Kräfte können die Wirkung der Tablette unter Umständen völlig verändern oder vernichten.

Zitat Präsident Mag. pharm. Dr. Friedemann Bachleitner-Hofmann: „Ich warne daher eindringlich vor dem Kauf von Arzneimitteln im Internet. Gefälschte Internet- Arzneimittel gehören in den Sondermüll und nicht in die österreichischen Haushalte.
Der vielfach versprochene billigere Preis ist das hohe Risiko, das man mit solchen Produkten eingeht, einfach nicht wert. Die Folgen für die Patienten, die sich ohne es zu wissen solche Medikamente aus dem Netz holen sind nicht abschätzbar. Von chronischen Erkrankungen bis zum Tod ist alles „drin“, weil man als Patient Dosis, Wirkstoffe und Haltbarkeit nicht nachprüfen kann.“