Generika - Rezeptpflicht - Chefarztpflicht

Originalpräparat - Generikon

Die Entwicklung eines Medikamentes ist aufgrund der hohen Forschungs- und Erprobungskosten sehr teuer. In der Regel dauert es nach dem Finden eines Wirkstoffes mehrere Jahre, bis ein Medikament nach den gesetzlich vorgeschriebenen, umfangreichen klinischen Studien zugelassen wird und auf den Markt gebracht werden kann. Damit die Pharmaindustrie die hohen Entwicklungs- und Zulassungskosten wieder erwirtschaften kann, gibt es den Patentschutz. Das bedeutet, dass nur das Unternehmen , das das Medikament entwickelt hat, es auch vermarkten darf. Durchschnittlich kommt es zu einer Patentnutzungsdauer von acht Jahren.
Nach Ablauf dieser Frist kann ein Nachfolgepräparat mit dem bisher geschützten Wirkstoff von einer anderen Pharmafirma angeboten werden. Da keine Entwicklungskosten mehr anfallen, kosten Generika in der Herstellung wesentlich weniger als das Originalpräparat.
Generika sind also Medikamente mit dem gleichen Wirkstoff und der gleichen Darreichungsform wie das Originalpräparat. Kleine Unterschiede kann es lediglich bei den Hilfsstoffen (z.B. für die Konservierung oder die Farbe) geben. Somit sind Generika in der Wirkung mit den Originalpräparaten gleichzusetzen, sie haben nur einen anderen Namen und anderen Preis.
Sinn der Generika: Therapien kostengünstiger zu machen, somit die Versorgungsqualität zu erhöhen und Mittel für neue teure Innovationen frei zu machen.

Die Rezeptpflicht

Die Rezeptpflicht bedeutet, dass die Behörde aus Gründen der medizinischen Sicherheit bei der Zulassung verfügt hat, dass bestimmte Medikamente nur auf Verordnung eines Arztes/einer
Ärztin abgegeben werden dürfen.
Die Rezeptpflicht sagt aber noch nichts darüber aus, ob die Kassen das Medikament bezahlen oder nicht. Die “Antibabypille” z.B. ist rezeptpflichtig, muss aber privat bezahlt werden.
Auf der anderen Seite sagt der Preis des Medikamentes nichts über die Rezeptpflicht aus. So sind z.B. sehr stark wirksame Beruhigungs- und Schlafmittel teilweise unter der Rezeptgebühr, sind aber aus medizinischen Gründen trotzdem streng rezeptpflichtig.

Chefarztpflicht

Die neue Chefarztpflicht steht unter dem Motto “Es läuft das Rezept und nicht der Patient”. Dort, wo früher der Patient selbst die erforderliche Chefarztgenehmigung für ein Medikament besorgen musste, holt heute der behandelnde Arzt/die Ärztin selbst die Chefarztbewilligung ein. Das geschieht über das neue ABS-(Arzneimittel-Bewilligungs-Service)-System, direkt über die e-Card in elektronischer Form. Die chefärztlichen Genehmigungen sind immer Einzelfallentscheidungen, die je nach Anamnese, Begleittherapie und unterschiedlicher ärztlicher Begründung verschieden ausfallen können.

Seit dem Jahr 2005 heißt das Verzeichnis, nach dem sich die Vertragsärzte einer Kasse bei ihren Verschreibungen zu halten haben, Erstattungskodex. Wird das Medikament, das der Arzt/die Ärztin verordnet hat, “erstattet”, bedeutet das, dass man nicht den vollen Medikamentenpreis bezahlen muss, sondern pro Packung nur eine Rezeptgebühr.
Im Erstattungskodex gibt es eine grüne, eine gelbe und eine rote “Box”. Die gelbe Box unterteilt sich zusätzlich noch in hellgelb und dunkelgelb. Die Box besagt, ob das Medikament vom Arzt frei oder nur unter bestimmten Auflagen der Krankenkassen verschrieben werden darf.

Die grüne Box :

Dieser Bereich enthält jene Arzneimittel, die der Arzt/die Ärztin ohne jede weitere Auflage verschreiben darf, aber nur für jene Indikationen und in den Mengen, die der Erstattungskodex dafür vorsieht. Bei einigen Produkten darf die Erstverordnung nur durch bestimmte Fachärzte erfolgen, die Folgeverordnung auch von ÄrztInnen für Allgemeinmedizin.

Die gelbe Box :

Arzneimittel, die in der gelben Box gelistet sind, müssen im Prinzip nach Verschreibung durch den Arzt/die Ärztin zusätzlich vom Chefarzt genehmigt werden. Innerhalb der gelben Box gibt es einen “hellgelben” Bereich. Medikamente, die hier hineinfallen, sind zwar theoretisch chefarztpflichtig, praktisch reicht es aber, wenn der Arzt/die Ärztin die Gründe der Verschreibung sorgfältig dokumentiert. Ist ein Produkt in der “dunkelgelben” Box gelistet, ist tatsächlich eine Chefarztbewilligung notwendig, die der Arzt/die Ärztin selbst über das bereits erwähnte ABS-System einholt.

Die rote Box :

Ein Medikament bleibt so lange in der roten Box, bis darüber entschieden ist, ob es in die gelbe oder in die grüne Box kommt, oder in gar keine Box, d.h. aus dem Erstattungskodex gestrichen wird.

Die “No-“Box :

Jene Medikamente, die in Österreich zwar zugelassen sind, aber von den Kassen nicht erstattet werden, landen in der No-Box, d.h. sie werden in den Erstattungskodex nicht aufgenommen. Für
diese Mittel übernehmen die Krankenkassen keine Kosten.

Rezeptgebührenbefreiung

Personen, die nicht mehr als 690€ netto verdienen, können bei ihrer Krankenversicherung einen Antrag auf Befreiung von der Rezeptgebühr einbringen. Bei erhöhtem Medikamentenbedarf steigt dieser Grenzwert auf 793,50€. Für Ehepaare und Lebensgemeinschaften gelten 1055,99€ bzw. 1214,39€ (Stand 2006). Automatisch befreit sind zum Beispiel Bezieher einer Ausgleichszulage, Zivildiener oder bestimmte Asylwerber in Bundesbetreuung. Das Zeichen einer Rezeptgebührenbefreiung auf einem Rezept ist ein doppelter Arztstempel. Durch diese zwei Stempel erkennt der Apotheker/die Apothekerin die Gebührenbefreiung und hebt keine Rezeptgebühr ein.